Jan-Philipp Litza

Ubuntu Feisty Fawn 22. April 2007

Nun ist es also da. Das neue Ubuntu Release 7.04 „Feisty Fawn“, welches mit einigen neuen Features prahlt. Ich will hier mal meine Erfahrungen mit dem Upgrade (keiner frischen Installation!) beschreiben. Eigentlich wollte ich auch direkt am Donnerstag upgraden, doch da waren die Server noch so ausgelastet, dass das schlich unmöglich war. Am Freitag ist mir das erst relativ spät (so gegen 16 Uhr) eingefallen, was ein Problem darstellte, da ich nur bis 19 Uhr Zeit hatte. Naja, mal anfangen mitm Update. Die Server waren wieder etwas ansprechbarer als am Vortag, und das Update lief auch bis zum Ende des zweiten Schritts ganz ordentlich. Bis dahin wurden aber auch nur die Paketquellen verändert. Im dritten Schritt sollten dann die Paketdateien heruntergeladen und installiert werden. Auch wenn das natürlich mit Abstand der langwierigste Schritt ist, hat es auch bis dahin schon recht lange gedauert – so etwa 10 Minuten. Und genau da stoppt das Upgrade: Ich habe zu wenig freien Speicherplatz. Ich hatte nichts anderes erwartet, aber ich finde, die Installation hätte mir schon früher zumindest einen Hinweis geben können, wie viel ich etwa brauchen werde. Jetzt muss ich einen kurzen Exkurs in meine schlechte Partitionierung machen: Ich habe alles außer /boot und /home auf einer Partition.

Das Popup sagte mir, ich bräuchte 800 MB freien Speicherplatz auf /. Aber anstatt mir die Möglichkeit zu geben, den jetzt frei zu machen und dann fortzufahren, konnte ich nur auf „Schließen“ klicken und das bisher durchgeführte Upgrade wurde rückgängig gemacht. Naja, was blieb mir anderes übrig, als den Platz jetzt frei zu machen. Also prompt n paar große Sachen von / nach /home geschoben, sodass ich auf / 900 MB frei hatte. Und wieder das Upgrade gestartet, wieder 10 Minuten gewartet, bis die ersten beiden Schritte fertig waren… und ich wieder eine Meldung bekam. Diesmal beklagte das Programm, dass es auf /usr (bei mir selbe Partition wie /) 700 MB freien Speicher bräuchte. Ich musste erstmal gewaltig nachdenken, was der eigentlich wollte, weil ich ja auf der Partition 900 MB frei hatte, und 900 > 700. Naja, wieder Schließen, wieder Upgrade rückgängig, wieder Platz frei machen und wieder starten. Nach weiteren 10 Minuten warten… wieder eine Meldung. Diesmal brauchte das Programm – ich wäre fast vom Stuhl gefallen – 30 MB Speicherplatz auf /boot. Nun ist meine boot Partition insgesamt nur 32 MB groß – was auch für zwei Custom Kernels, einen Stock Kernel und Grub locker reicht. Für das Upgrade aber scheinbar nicht. Also hab ich einfach /boot ge-umounted in der Absicht hinterher halt alles wieder richtig zu verschieben auf die richtige Partition.

Inzwischen war also schon ne halbe Stunde vergangen. Und zum ersten Mal konnte ich das Upgrade starten, ohne dass es 10 Minuten später abbrach. OK, nicht ganz richtig. Nachdem es festgestellt hatte, dass überall genug Platz ist, bot es mir eine kleine Übersicht, was es eigentlich machen wird. 6 Programme entfernen (waren entweder unnötig oder Programme, die sich mit welchen aus dem ubuntu-desktop Paket bissen), >500 upgraden und n paar neu installieren. Dazu sollten 1243 MB Pakete geladen werden – na viel Spaß. Dazu gab es auch eine kurze Übersicht, wie lange das dauert bei verschiedenen Anbindungen. „Mit 1 MBit 2 Stunden 4 Minuten, mit 56 KBit Modem 2 Tage und 6 Minuten“ – also ich würde Feisty jetzt in die Ecke schmeißen wenn ich Modem Nutzer wäre. 😃 Aber dann ist man in der (Linux?) Welt ja eh etwas aufgeschmissen. Ich hatte jedenfalls nicht die Zeit, eine Stunde auf den Download und mindestens ne weitere auf die Installation zu warten, also hab ich das Upgrade auf Samstag vertagt.

Samstag Morgen. Ich bin nicht wirklich wach, aber das ist ja egal. Ich starte von neuem das Upgrade. Bei der Meldung mit dem Hinweis dass es lange dauert und was passiert klicke ich jetzt nicht auf Abbrechen sondern auf Upgrade, und warte… und warte… und warte. Ich weiß nicht genau, wie lange der Download gedauert hat, ich glaube aber länger als ne Stunde. Und die Installation der Pakete hat dann nochmal etwa 4 Stunden gedauert. Ich habe um ca. 9 Uhr angefangen und war gegen 13 Uhr fertig. Damit aber nicht genug. Denn man kann die Installation nur schwer alleine lassen, zumindest wenn man auch nur eine Datei in /etc bearbeitet hat. Ich muss recht oft das typische „Config file überschreiben oder beibehalten“ beantworten. Aber ich hatte ja eh nix anderes zu tun.

Nach etwa 2 Stunden der Installation kam eine Meldung, dass die Installation abgebrochen würde, weil der post-installation Process nen Fehler verursacht hat oder so. Bla. Ich wäre beinahe ausgerastet. Zum Glück lief im Hintergrund noch die Installation weiter, also hab ich einfach mal nicht auf „Schließen“ gedrückt und nur gewartet… bis er nicht weiterkam, weil er wieder ne Config file überschreiben wollte. Also musste ich doch auf Schließen drücken – und siehe da, die Installation wurde nicht abgebrochen. Ich bekam den Dialog mit dem Config file und gut war, die Installation lief weiter. Und zwar bis zum Ende. Da bekam ich nochmal ne Zusammenfassung, dass dieses Paket nicht installiert werden konnte, und ein Reparaturversuch gestartet wird. Der hat auch funktioniert (es war F-Prot und ich hab einfach statt Ja einmal Nein geklickt, und gut wars. 😉 Die Installation wurde trotzdem abgebrochen, und zwar mit dem netten Hinweis „Ihr System könnte sich in einem unbenutzbaren Zustand befinden“. Na das freut einen doch. ☺

Ich bin ja zum Glück ein relativ erfahrener Linux User und wusste, dass mein System sich nicht in einem unbenutzbaren Zustand befand und habe mich darum wenig gekümmert. Die einzigen Schritte, die das Upgradeprogramm noch gemacht hätte, wären „Aufräumen“ und „Neustart des Systems“ gewesen. Unter „Aufräumen“ habe ich einfach mal ein „apt-get clean“ verstanden, und ein Neustart… da sollte jeder wissen, was das ist. 😃

Nach diesem Neustart bootete mein Laptop auch wunderbar, ich hatte dank Stock Kernel mal wieder n Bootsplash mit tolliger Statusleiste und so und bla. Das typische Ubuntu-Zeugs halt. Und schon hatte ich die GDM Anmeldemaske vor mir. Netzwerk war up, alles gar kein Problem. Nach der Anmeldung allerdings, hatte ich nicht wie erwartet meine Gnome Umgebung vor mir. Ich hatte zwar eine Gnome Umgebung, aber das war nicht meine. Das war allerdings auch das, was ich erwartet hatte: pam_mount hatte mein verschlüsseltes Homedir nicht gemountet. Ab auf die Shell, n bisschen in den Configs rumgeschnüffelt, aber nix gefunden. pam_mount in den Debug Modus, auf der Shell angemeldet und mich durch das Meldungs-Wirrwarr gearbeitet. Irgendwo stand dann, dass er das Gerät _dev_hda5 nicht erstellen konnte. Verwirrung. Hab ich jetzt keine Festplatte mehr oder was? In /dev nachgeguckt – nein, hatte ich nicht. Kein /dev/hda, kein /dev/hda5 kein /dev/hd*. Nix. Da habe ich erstmal nicht schlecht geguckt. Ein mount hat mir dann aber verraten, dass meine Festplatte anscheinend inzwischen /dev/sda ist. OK, eine Änderung im Kernel und für den normalen Benutzer wahrscheinlich unwichtig. Schnell die Config von pam_mount angepasst und schon passte alles wieder.

Ich habe nun also das fertig gebootete Feisty Fawn System vor mir. Alles wunderbar, alles klasse. Als erstes habe ich mich n bisschen in aptitude umgesehen, n paar Pakete deinstalliert, die nicht mehr benötigt wurden, ein paar der Third Party Quellen wieder aktiviert und andere gelöscht. Hab mich über die neue Version von Gaim gefreut und über das ganze System, das doch einige nette Neuerungen gebracht hat.

Dann habe ich mich den Xgl Einstellungen zugewandt. Erstaunlicherweise lief alles wunderbar flüssig, trotz meiner uralt Grafikkarte. Die Einstellungen, die man per GUI vornehmen konnte, waren natürlich etwas rar – neben dem Aktivieren von Xgl kann man nur auswählen, ob der Würfel und Schwabbelfenster aktiviert werden sollen. Aber in den gconf Einstellungen von compiz kann man so ziemlich alles anpassen. Unter anderem auch die Tastenkürzel, die zu einem großen Teil zwar aus den Einstellungen von Metacity übernommen werden können, aber eben nur zu einem großen Teil. Nach mehreren Stunden Rumspielen mit Xgl war ich zwar hellauf begeistert von diesem abartig geilen Feature – und habs trotzdem wieder deaktiviert. Es stört irgendwie einfach die tägliche Arbeit, auch wenns cool aussieht. Es ist gut um Vista-Fanboys zu zeigen, dass man für sowas keine 300 Euro ausgeben muss, aber mehr auch nicht ;)

Es ist inzwischen Abend, und ich setze mich an das Horrorthema: Suspenden. Inzwischen waren auf mysteriöse Art und Weise die Buttons für Bereitschaftsmodus und Ruhezustand im Shutdown Dialog aufgetaucht, die am Anfang noch nicht da waren. Auch der Fn-F4 Hotkey funktionierte wunderbar, der Laptop brauchte zwar ziemlich lange, suspendete dann aber. Nach einem weiteren Fn-F4 wachte er auch wieder auf. Das WLAN war etwas kaputt – ja, ich hatte halt vergessen einzutragen, dass er ath_pci reloaden soll. Kann man ja nachholen. Und… USB war kaputt. Die kleine rote Lampe am USB Hub leuchtete nicht mehr, und meine Maus und Tastatur hatten auch keinen Strom mehr (kein Wunder, die hängen ja am Hub). Im Syslog finden sich nur einige USB Device disconnected Meldungen und „usb usbX: root hub lost power or was reset“. Inzwischen ist es Sonntag Mittag und ich weiß noch immer nicht, wie man das behebt. ☹ Sicher ist nur, dass es am neuen Kernel 2.6.20 liegt.

Update: Es liegt definitiv am neuen Kernel 2.6.20, und lässt sich mit einem aus den Vanilla Sources kompilierten 2.6.21/2.6.22er Kernel beheben. Größtenteils zumindest (seit kurzer Zeit treten die Probleme hier jetzt unregelmäßig auch bei 2.6.22.6 auf). Ein Bugreport auf Launchpad.net gibts dazu natürlich auch schon lange, aber laut Devs wird das auch erst in Gutsy mit dem neuen Kernel gefixt.

Insgesamt bin ich mit Feisty Fawn eigentlich ganz zufrieden. Es bringt endlich neuere Versionen von Programmen mit sich, und hat einige wirklich nette neue Features. Das Problem mit USB nachm Suspenden nervt natürlich extrem, aber damit muss ich wohl leben, bis ich ne Lösung finde. Ich habe bis jetzt immer wieder n bisschen an den readahead-Einstellungen und den Services, die gestartet werden, rumgespielt, einfach weil ich nicht alles starten wollte, was Feisty Fawn mit in /etc/rc*.d eingetragen hat. Aber das ist wohl normal. ☺